P.R.S.O. + Pestarzt (zweimal Hardcorepunk aus Sombor) in Leipzig, Klubraum Plagwitz

prsohundie Es fing 2009 an, als ich eine Tape Compilation mit Bands aus der Nähe des kroatisch-bosnisch-serbischen Grenzflusses Sava (und ein paar Leipziger Bands) zusammenstellte . Im Beiheft war auch ein Szene-Report aus der Stadt Sombor in der Vojvodina von Ana, Macherin des Profit from Poison Fanzines. Letztes Jahr war ich nun nochmal in der Nähe von Sombor und dort spielten die Bands P.R.S.O. und The Spritz, die ich beide sehr gut fand. Nun spielen sie (P.R.S.O. und Pestarzt), wie von mir gewünscht, hier in Leipzig. Die beiden Bands spielen feinsten düstren Hardcorepunk, der an die umwerfende jugoslawische Hardcorepunktradition erinnert (Bands wie U.B.R. oder Patareni). Ich dachte ich kombiniere es mit einer Spezialsendung bei Radio Blau über den jugoslawischen Punk-Untergrund der Vergangenheit, über jugoslawische und postjugoslawische Community-Radios und deren Gegenwart. Die Sendung kommt am 25.4. um 19 Uhr bei Radio Blau oder auf dem Blog Lost Mixtape.

Der Sender B92 aus Belgrad war wohl das erste interessante Radio-Projekt, dessen Existenz in mein Bewusstsein drang. Es wurde 1989 als Studentenprojekt gegründet und sollte dann in der Zeit des aufkeimenden Nationalismus in ganz Jugoslawien eine teils wichtige und subkulturelle, zum Teil aber auch nur liberale und marktgerechte Rolle spielen. Zur Zeit der Proteste gegen Milosevic spielte es eine wichtige Rolle als nationalismuskritisches und auch in seiner Vernetzung internationalistisches Projekt, es gab Kontakte zu Musikern wie Mike Watt (Minutemen) oder Sonic Youth. Heute ist das Programm leider komplett langweilig, welche Rolle B92 als linksliberales Medium in einer Gesellschaft spielt, die grosse Probleme mit Nationalismus und religiösem Fundamentalismus hat, ist natürlich eine komplett andere Frage…

Viel länger existiert der Sender Radio Študent in Ljubljana, der sich schon 1969 aus einer studentischen Initiative ergab:

In der aufgeheizten Atmosphäre der späten 1960er entstand in Ljubljana Radio Študent – die erste unabhängige Radiostation in Jugoslawien – sie wurde 1969 von der Študentska organizacija uStudent-Radio-e1358886955842niverze v Ljubljani gegründet. Der Akt der Gründung war Teil der Konzessionen seitens der Behörden, die Wut der Studenten über die teilweise Nachrichtensperre in Slowenien während der 1968er Proteste zu beschwichtigen.”

(The Diversity of diversity traditions: Rock in opposition and yugoslavian underground / ahogonsindustrialguide.blogspot.de)

Radio Student ist immer noch der interessanteste Sender in den Ländern, die Jugoslawien nachfolgten. Ich sprach mit dem Macher der Sendung “Subway“, die wöchentlich das Neueste aus Punk, Hardcore, Crust und Grind-Untergründen widerspiegelt und auch Ausflüge in die Szenen anderer Länder unternimmt. Ein weiterer interessanter Sender ist der Kanal 103 aus Skopje in Mazedonien, den es seit 1991 gibt.  Ich spiele an diesem Abend also mit der Geschichte der Radios verwobene Punk und Hardcoremucke, wie z.B. die bereits 1980 (!) komplett im Radio aufgenommenen Frühwerke der Punkband Termiti, als auch späteres, das den wie ich finde sehr grossartigen Hardcorepunkuntergrund reflektiert (und 1983 schon im semiberühmten Punk-Fanzine Maximum Rocknroll mit einem jugoslawischen Szene-Report gewürdigt wurde) und ein paar Lieder von den Bands P.R.S.O. und Pestarzt, die zur Belohnung vielleicht sogar gleich zweimal in Leipzig spielen.

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